Am 11. Oktober 1881, wurde Hans Kelsen in Prag geboren. Er studierte in Wien Rechtswissenschaften und habilitierte sich 1911 für Staatsrecht und Rechtsphilosophie.
Ab 1917 Professor für Staats- und Verwaltungsrecht in Wien, von 1921-29 auch Mitglied des VfGH, verließ er 1930 aus politischen Gründen Österreich und wurde Professor in Köln, von wo er 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung emigrieren musste.

Es folgten Aufenthalte an den Universitäten von Genf und Prag sowie der Harvard Law School in den USA, bis er an der University of California in Berkley eine dauernde Bleibe fand und bis 1952 lehrte. Er starb am 19. April 1973 in Berkley.

Bekannt wurde er vor allem durch seine Mitarbeit am B-VG 1920, zu dem er eine Reihe von Vorentwürfen erstellte. Besonders ging es darum, den von den widerstreitenden politischen Kräften mühsam erzielten Konsens in Gesetzesform zu gießen. Maßgeblichen Einfluß hatte Kelsen aber jedenfalls bei der Ausgestaltung der Verfassungsgerichtsbarkeit des B-VG, ein Werk, das weltweit Beachtung gefunden hat.Kelsen selbst war ein Verfechter der Demokratie, deren Wert er vor allem in dem durch sie gewährleisteten Frieden sah, was er v.a. in seiner Schrift "Vom Wesen und Wert der Demokratie" (1920; 2. Aufl. 1929) darlegte, und er setzte sich auch kritisch mit anderen Systemen, v.a. dem Sozialismus, auseinander.

   

Die größte Bedeutung erlangte Kelsen aber mit seinen rechtstheoretischen Arbeiten, in deren Zentrum die "Reine Rechtslehre" (1934; 2. Aufl. 1960) steht. Ausgehend von einem Wertrelativismus einerseits, einer Trennung von Sein und Sollen andererseits, entwickelte er eine Rechtstheorie, die sich sowohl von den Naturrechtslehren als auch von den positivistischen Lehren seiner Zeit deutlich abhob. Im Mittelpunkt stand dabei die von ihm erst allmählich entwickelte Theorie von der Grundnorm, einer obersten Norm, die, da nicht gesetzt, vorausgesetzt sein müsse und die erst die Geltung des positiven Rechts ermögliche. Die Grundnorm hat bloß erkenntnistheoretische Bedeutung und ist nicht in der Lage, irgendeine positive Rechtsordnung moralisch zu rechtfertigen, gleichwohl ist sie oft in diese Richtung missverstanden worden. Die von Kelsen zunächst vor allem für das Verfassungsrecht konzipierte Reine Rechtslehre ist von seinen Schülern Adolf J. Merkl und Alfred Verdroß auch in das Verwaltungsrecht und in das Völkerrecht übertragen worden, heute findet diese "Wiener Rechtstheoretische Schule" außer in Österreich vor allem in Südeuropa und in Lateinamerika Verbreitung. Ihr bedeutendster Vertreter blieb Hans Kelsen selbst.

Das Lebenswerk Kelsens, der Herausgeber der "Zeitschrift für öffentliches Recht", der "Wiener staats- und rechtswissenschaftlichen Studien" sowie der "Revue internationale de la theorie de droit" war und korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist, wurde in alle Weltsprachen aufgenommen.

Die wichtigsten Werke auf dem Gebiet der Rechtslehre sind "Hauptprobleme der Staatsrechtslehre", "Allgemeine Staatslehre" und "General Theorie of Law and State".

   
   

Quellen: juridicum online
magwien.gv.at