Bis zur Türkenbelagerung von 1683 war das Gebiet zwischen Florianigasse und Währinger Straße nur locker verbaut. Nur am Beginn der Alser Straße bestand eine kleine Konzentration von Häusern. Das änderte sich jedoch sehr rasch in den Jahren nach dem Abzug der Türken.

Dabei entwickelten sich zwei völlig verschiedene Bereiche in der Alservorstadt. Zwischen Florianigasse und Alser Straße entstanden mehrere repräsentative Adelsbauten. Ab 1693 wurde im angrenzenden Bereich zwischen Alser Straße, Spitalgasse und Währinger Straße ein großes Invalidenhaus gebaut, das die Invaliden der Türkenkriege aufnehmen sollte. Es entstand in Verbindung mit einem Lazarett – dieses bestand seit dem Mittelalter an der Währinger Straße – auf dem Gelände des jetzigen Arne-Karlsson-Parks. Joseph II. ließ die Invaliden in verschiedene kleine Häuser verlegen und die Anlage zum Allgemeinen Krankenhaus umbauen, dieses wurde 1784 eröffnet.

Zwischen Alser Straße und Lazarettgasse entstand ein Zentrum an Zuwanderern aus der Slowakei, Slowenien und Kroatien, welches allgemein „Krowotendörfl“ genannt wurde. Die meisten „Krowoten“ lebten davon, dass sie aus Holz Haushaltsgeräte und Spielwaren erzeugten bzw. dass sie Kräuter zogen. Ihre Produkte verkauften sie als Hausierer. Da das Gebiet sumpfig war, wurde es den „Krowoten“ überlassen. Nach der Einwölbung des Alserbaches, 1840 – 1846, trocknete das Gebiet aus und es wurde zum begehrten Baugebiet, daher wurden die „Krowoten“ in den folgenden Jahren in die Außenbezirke verdrängt.

Am Beginn der Alser Straße, wo nun die Nationalbank steht, wurde 1658 eine „Landschaftsreitschule“ erbaut. Dies war eine Internatsschule für die Söhne zahlungskräftiger Eltern. Die Ausbildung war vor allem auf die militärische und diplomatische Laufbahn ausgerichtet. Nach der Zerstörung durch die Türken wurde das Internat deutlich vergrößert und 1689 als „Ständische Landschaftsakademie“ neu eröffnet. Die Akademie wurde 1748 geschlossen, da sie wegen der übermächtigen Konkurrenz durch die Theresianische Akademie immer weniger Schüler hatte. Die Hofkammer kaufte die Gebäude und ließ es 1751 zur Alser Kaserne umbauen, diese bestand bis 1912. Angrenzend wurde 1784 das Wiener Garnisonsspital, welches für 1200 Kranke Platz bot und auch eine geburtshilfliche Abteilung für die Soldatenfreuen enthielt, eröffnet. Im Bereich der Sensengasse wurde 1882 ein Offiziersspital dazugebaut. Zu den militärischen Einrichtungen in der Alservorstadt gehörte auch die staatliche k. k. Gewehrfabrik, die von 1785 bis 1852 im Bereich der Währinger Straße 11 – 13a bestand. Danach wurde sie in das neu erbaute Arsenal verlegt.

Dieser Bereich der Spitäler, des Militärs und der Armut stand also im Kontrast zu dem wohlhabenden Bereich zwischen Alser Straße und Florianigasse – dort standen mehrere repräsentative Gebäude.

1700 kaufte Josef Ignaz Graf von Paar, Freiherr auf Hartberg, das Grundstück zwischen Daungasse, Laudongasse, Feldgasse und Alser Straße. Paar (1659 – 1735) war Generalpostmeister. Sein Palais in der Wollzeile 30 war die Postzentrale von ganz Österreich. Paar galt als der größte Pferdehalter Europas. Pferdekutschen waren die Grundlage der Post. Er ließ auf dem Grundstück in der Alservorstadt eine Reitschule erbauen, die zu den prachtvollsten Gebäuden Wiens gezählt wurde. Das Hauptgebäude, welches 1712 vollendet wurde, stand mit der Front zur Alser Straße, dahinter lag ein Barockgarten, in dem viele Statuen standen. Leider ist von dieser ganzen Pracht nichts erhalten. Die Erben Paars verkauften die Anlage 1763 an Nikolaus Josef Graf Esterházy de Galantha, Kronhüter des Königreichs Ungarn. Schon 1783 ließ er einen Teil des Grundes (an der Daungasse) parzellieren und verkaufen. Johann Josef Fürst Liechtenstein kaufte 1790 die Reitschule. Die Familie Liechtenstein hatte aber offenbar nur die Absicht das gesamte Gelände möglichst rasch als Baugrund zu verkaufen. Garten und Gebäude verfielen und wurden Stück um Stück demoliert und verkauft.

Die Familie Liechtenstein erwarb 1818 das Grundstück zwischen Laudongasse, Daungasse, Skodagasse und Kochgasse, mit dem sie ebenso vorging. Dort hatte Franz Ullrich Graf Kinsky 1691 ein Sommerpalais erbaut, das von den späteren Besitzern mehrmals umgebaut wurde, aber bis 1818 im Kern erhalten blieb. Dann verfiel es und wurde schließlich demoliert.

Bis 1849 wurden beide Grundstücke parzelliert und verkauft.

Das dritte bedeutende Barockgebäude der Alservorstadt, das zwischen 1708 und 1714 erbaute Palais Schönborn, blieb hingegen erhalten. Nun befindet sich darin das Österreichische Volkskundemuseum.

Auch der alte Lammhof war ein bedeutendes Gebäude, offiziell hieß es „Zum weißen Lamm“. Der Gärtner Blasius Gregororth baute hier 1651 das erste kleine Haus; die späteren Besitzer (vor allem hohe Beamte) bauten das Haus immer weiter aus, um Wohnungen zu vermieten. Haus und Garten umfassten die ganze Lammgasse. Gastwirt Jakob Detter, der Besitzer des Hauses, ließ dieses 1780 demolieren und die Lammgasse anlegen. Der ganze Grund wurde in zwölf Bauparzellen aufgeteilt. Das Haus Laudongasse 9 (Lammgasse 12) behielt den alten Namen „Zum weißen Lamm“. Das gegenüberliegende Haus, sowohl Laudongasse, als auch Lammgasse 11 erhielt den Namen: „Zum goldenen Lamm“.

Auf dem Gebiet des jetzigen Melkerhofes zwischen Laudongasse, Lederergasse und Florianigasse bestanden einige kleinere Sommerpalais seit dem 17. Jahrhundert. Ursprünglich waren hier vier Grundstücke. Als erste hatte sich 1667 der kaiserliche Hofkammerrat und Hofhandelsmann Karl Bartolotty von Bartenfeld, Herr zu Haidersfelden und Vestenthurn, Besitzer des Schlosses Neuwaldegg, ein Haus bauen lassen. Daneben baute 1670 Karl Mansuet von Orelly, Herr von Stareyn, hochfürstlicher Passauscher Rat. Als weiterer Nachbar folgte im Jahr 1677 ein ganz gewöhnlicher Handelsmann, Sylvester Rotta. Auf dem vierten Grundstück befand sich eine Gärtnerei und kein Sommerpalais. Diese gehörte der Familie Grogoroth, die auch den bereits erwähnten Lammhof besaß. Bei der Türkenbelagerung 1683 wurde das gesamte Gebiet verwüstet. Gundacker Reichsfürst von Diettrichstein (1623 – 1690), Oberstkämmerer (also höchster Finanzbeamter) kaufe 1684 zuerst die devastierte Gärtnerei dann auch die drei Nachbargrundstücke. Er ließ dort ein Sommerschloss, mit der Front Florianigasse 36 und 38, erbauen. 1787 kaufte der Gastwirt Piffel den Besitz. Er ließ das Schloss demolieren und das ganze Grundstück parzellieren. Dem Stift Melk gelang es um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einen großen Teil der Gründe und Häuser zu erwerben. Sie wurden so zusammengebaut, dass man von der Straßenseite her den Eindruck verschiedener einzelner Häuser hat, während im Inneren eine einheitliche Struktur besteht. Von den Besitzern leitet sich der Name „Melkerhof“ ab. Dieser Komplex umfasst vier Höfe mit 138 Wohnungen. Im 4. Hof ist das alte Hauszeichen „Zum goldenen Elefanten“ vom einstigen Haus Lederergasse 23 angebracht.

Die Gemeinde Alservorstadt kaufte 1821 das Haus Laudongasse 5 als Amtshaus. Auch der Feuerlöschstadl und die Wohnung des Nachtwächters wurden hier untergebracht. Im Hof wurde 1862 ein Schulgebäude errichtet. Nach der Eingemeindung befanden sich verschiedene Dienststellen der Gemeinde Wien im Amtshaus. Es gab Bestrebungen, – als 1850 die Eingemeindung der Vorstädte beschlossen wurde – dass die neu zu bildenden Bezirke flächen- und vor allem bevölkerungsmäßig annährend gleich groß sein sollten. Daher sollten der Bezirk Josefstadt nicht allzu klein und der Bezirk Alsergrund nicht dominierend groß geraten. Aus diesem Grund gab man den Teil der Alservorstadt zwischen Florianigasse und Alser Straße zur Josefstadt. Alsergrund protestierte zwar, aber der Beschluss blieb aufrecht. 1861 wurde er endgültig bestätigt.

Die Alservorstadt umfasste bei der Zählung 1857 exakt 388 Häuser mit 23.067 Bewohnern, davon kamen 182 Häuser mit etwa 10.000 Bewohnern an die Josefstadt.